Samstag, 30. Januar 2010

Bolivien!

Am 11. Dezember kam die Gewissheit: Ich werde meinen Zivildienst als Freiwilliger in Bolivien ableisten. Am 30. Juli diesen Jahres geht es los mit dem Flug nach La Paz.
12 Monate in einem der ärmsten, aber auch ursprünglichsten Länder der Welt...


Bolivien liegt im Zentrum Südamerikas und grenzt ringsum an Peru und Brasilien im Norden und an Paraguay, Argentinien und Chile im Süden. Bolivien hat keinen Zugang zum Meer.
Die westliche Hälfte dieses Landes, das ca. 3 mal so groß wie Deutschland ist, besteht aus einer kargen, 4000m hoch gelegenen Ebene, genannt Altiplano. In diesem Teil des Landes befinden sich die meisten Einwohner, sowie die der Regierungssitz, La Paz, und die Hauptstadt, Sucre. Llanos, der östliche Teil, besteht hingegen aus tropischen Regenwäldern im Amazonasbecken bzw. Trockensavannen im Süd-osten des Landes. Obwohl dieser Teil Boliviens durch seine Fruchtbarkeit und sein warmes Klima weitaus lebensfreundlicher als die kalte Hochebene wirkt, würden viele Bolivianer niemals in den Dschungel gehen. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf die vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen Boliviens:
Neben einer 'Minderheit' von Weißen, die ca. 30% der Bevölkerung darstellt, leben vor allem indigene Bevölkerungsgruppen in Bolivien. Diese gehen zum Teil auf die Hochkultur der Inkas zurück, deren Zentrum im Nordwesten, am Titicacasee lag, aber auch auf einzelne Indianerstämme aus dem Amazonasbecken. So wagten es also schon die Inkas nicht, in den Osten des Landes vorzudringen, aus Angst von den vielen Indianerstämmen massakriert zu werden.
'Massakriert werden' ist auch das Stichwort, wenn es um die Geschichte Boliviens seit der spanischen Eroberung geht: Das Land und seine Bewohner wurden systematisch ausgebeutet und versklavt, was sich auch nach seiner Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1825 (durch Simon Bolivar, dem Namensgeber des Landes) nur wenig änderte. Bolivien besitzt viele Rohstoffe, wie z.B. 50 Prozent der Lithiumreserven der Welt, aber auch die grössten Erdgasvorkommen Südamerikas. Nichtsdestotrotz profitierte die Bevölkerung bisher so gut wie nicht vom natürlichen Reichtum ihres Landes - zu groß ist die Ausbeutung und Korruption.
Seit 2005 gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer für das ärmste Volk Südamerikas: der Sozialist Evo Morales, ein Indio und ehemaliger Kokabauer, wurde mit 54% zum Präsidenten des Landes gewählt. Er steht für soziale Reformen und eine eigenständige Politik, losgelöst von Wirtschaftsmächten wie den USA, die, wie so oft, von der Ausbeutung des Landes profitierten. Seine Politik könnte einen Wechsel hin zu besseren Zeiten für Bolivien bedeuten, steht sie auch auf einem wackligen Fundament in einem Land, das seit seiner Unabhängigkeit schon 87 Staatsoberhäupter hatte.
Mein Jahr in Bolivien ist der größte Schritt in meinem bisherigen Leben.
Trotz der vielen Vorbereitungsseminare kann ich mir die Armut, aber auch die vollkommen andere Lebensweise der Menschen in Bolivien kaum vorstellen. Sicher bin ich mir nur, dass es nicht einfach werden wird, sich in dieser neuen Welt zurecht zu finden und dort wirklich zu leben.
Dieses Jahr wird mein Leben verändern - und ich freu' mich drauf !

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