
Am Wochenende war ich auf einer Party mit Champagner, Nutten und Kokain in einer großen Villa aus Marmor mit Pool; am Montag danach bin ich durch knöcheltiefe Scheiße gewatet, um die Füße von Straßenkindern einzusalben, die unter den Brücken in den Abwasserkanälen leben. Zwei Tage darauf war ich im argentinischen Steakhaus essen, das 50m Meter enfernt von dieser Brücke liegt. Später erzählt mir Guerry, einer der Jungen aus dem Heim, dass er keine Schuhe hat, und deswegen barfuß zur Schule gehen muss....
Als Voluntario bin ein Teil der Armen hier in Bolivien, die 70% der Bevölkerung ausmachen. Ein Großteil kann weder lesen noch schreiben. Sie leben in Lehmhütten in den Vororten der großen Städte, oft arbeiten ihre Kinder auf der Straße, um das Einkommen der Familie aufzubessern.
Als Weißer bin ich Teil der oberen 5% der Bevölkerung, die hier das Geld und somit das Sagen hat. Hier wird auf europäischem Niveau gelebt, und natürlich auch auf die Armen, d.h. die indigene Bevölkerung geschimpft, die ja keine Kultur hat und deswegen im Dreck versinkt.
Beide Bevölkerungsteile wissen nichts vom Lebensstil der Anderen – wahrscheinlich könnten sie sich's auch nicht vorstellen...
Mittendrin steh' ich und weiß oft nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich kenne die Schattenseiten des Lebens hier, bin mir auch bewusst, wie privilegiert ich bin – und komm mir irgendwie ziemlich mies vor, wenn ich im Restaurant sitze und mein Riesensteak verdrück'.
Trotzdem bringts wahrscheinlich nichts, wenn ich mich komplett von so 'nem "privilegierten" Leben fernhalte... vielmehr ist es wichtig, dadurch viel Erfahrung zu sammeln und das Leben zu verstehen, um in meiner Zukunft, in der ich vielleicht mehr ausrichten kann, als mit der Arbeit als Voluntario, die Situation der Menschen hier wirklich zu verändern.
Bald steht für mich ein Ausflug nach Vallegrande vor der Tür, zu dem Ort, in dem Che Guevara erschossen wurde. Gefolgt von nem 4-wöchigen Rucksacktrip durch Peru im November und nächstes Jahr dann einer Reise durch Chile: 6 Wochen lang, 4300km mit einem 1968-Vw Bus(?) bis ans Kap Hoorn.
Viele Freiwillige berichten, dass nach 2 Monaten im fremden Land Routine, Langeweile und dadurch Heimweh aufkommt... das will sich bei mir noch nicht so wirklich einstellen... :-)

julian,eres un gran hombre,gracias por ayudar a muchos niños desamparados
AntwortenLöschensobre todo por ayudar a mi ciudad
att marjorie quiroz